Lisa Christ

Lehrerin, Trainerin für Lösungsfokus in der Pädagogik

Kindheit

Meine Reise in die Bildungslandschaft begann bereits als Tochter einer SPZ-Leiterin (Sonderpädagogisches Zentrum) und als Enkeltochter einer Theologieprofessorin. Schon als Kind war ich manchmal mit in der einen oder anderen Schule. Wahrscheinlich wurde mir meine Begabung in die „Wiege“ gelegt. Nachdem ich als kleines Mädchen herzliche Kindergärtnerinnen und danach einen sehr lustigen Volksschullehrer hatte, war die Basis für erste positive Erfahrungen beim Lernen vorhanden. Meine Jahre im Internat in Wien (weil Landei aus dem Weinviertel) waren weniger oft erquickend. Ich musste sehr viel lernen, war permanent unter strenger Beaufsichtigung, hatte kaum Rückzugsmöglichkeiten und oft Stress. Natürlich lehrte man mir im Gymnasium viel Wissen, jedoch das Nähren von Herzwärme oder eine Art von positiver Beziehungsarbeit blieb oft auf der Strecke. Wahrscheinlich liegen mir deshalb die Themen Achtsamkeit, Wertschätzung und eine dialogische Haltung auf Augenhöhe im Bildungsbereich sehr am Herzen.

Höherer Bildungsweg

Mit 14 Jahren entschied ich, dass eine 5-jährige Ausbildung zur Kindergartenpädagogin und Hortnerin nicht schaden könnte. Die Bildungsanstalt Maria Regina war ein lebhafter Ort, an dem ich kreativ sein durfte und meiner Begabung als Pädagogin schon recht nahekam. Professoren würden höchst wahrscheinlich über mich sagen, dass ich recht eigenwillig oder eine Revoluzzerin sein konnte. Ich ging nicht immer konform mit der Meinung anderer. Fragen wie „Ist wirklich alles so wie es scheint?“ oder „Was steckt dahinter?“ und „Was versteh ich jetzt noch nicht?“ waren und sind noch immer Gedankenblasen in meinem Kopf. Heute begrüße ich es, wenn Kinder in der Schule kritisch denken. Ich finde es cool, wenn Kinder mutig sind, hinterfragen und ganz spezielle Lösungen für Probleme oder Anliegen finden.

Akademie

Nach der Matura schloss ich gleich die Volksschullehrerausbildung an der PH Wien/Krems an. Das Unterrichten war super und ich hatte wohl einen guten Draht zu den Kindern. Ich machte auch das Lehramt für Theologie. Heute bin ich friedvoll mit mir und der Welt, offen für verschiedene Religionen und Weltanschauungen und lebe meine Berufung.

Beruf

Seit 1997 bin ich also Lehrerin und das mit Begeisterung. Im Laufe der Zeit wurde ich zum Fortbildungsjunkie. Immer wieder suchte ich was Neues, um meinen Unterricht zu optimieren. Die Montessori-Ausbildung brachte mich zweifelsohne noch ein großes Stück näher zum Kern meiner Pädagogik. Ich fand dort einen weiteren Zugang zum Kind als „Mensch in seiner Ganzheit“. Danach lernten meine Schüler und Schülerinnen an verschiedenen Orten, in verschiedenen Settings, mit unterschiedlichen Materialien und Strategien. Das Materialangebot an der Schule erweiterte sich stetig. Mein fahrbares Stockerl war mein bester Freund, denn das Unterrichten „von oben herab“ war für mich nicht mehr sinnvoll.

Durch meine nächste Ausbildung zur Motopädagogin wurde mir bewusst, dass Kinder durch Bewegung noch besser lernen würden. Andere im Schulteam sahen das auch so und die „Bewegten Pausen“ sind seitdem Bestandteil unseres Schulalltags. Von da an ging viel an unserer Schule weiter. Innovation war in mehreren Bereichen spürbar.

Schule und Ich im Wandel

Als Pilotschule wurde mein Schulstandort 2012 zum SQA (Schulqualitätsmanagement) auserkoren. Ich übernahm nach einiger Zeit die SQA-Koordination von einer sehr kompetenten Kollegin. Die umzusetzenden Themen in der Schule wurden teilweise vom Bildungsministerium vorgegeben und wurden immer komplexer in ihrer Umsetzbarkeit. Mir fehlten Lösungsstrategien für das Lehrerteam. Einerseits wollte ich manches erzwingen (= ganz eine schlechte Idee) und andererseits war ich ratlos und antriebslos, weil ich in der Umsetzung nicht so erfolgreich war, wie ich sein wollte. In meinem Wirken als Schulqualitätskoordinatorin stieß ich an meine eigenen Grenzen und grübelte darüber, wie ich alle ins Boot holen und mit Widerstand umgehen konnte.

Die Lösung

Eine liebe Bekannte legte mir die Ausbildung zum Lösungsfokussierten Coach und Berater ans Herz. Gott sei Dank entschied ich mich rasch für diesen Lehrgang am Potenzialfokuscenter Wien. Das war eine meiner besten Entscheidungen in meinem Leben.

Durch das andere, neue Denken während dieser Ausbildung krempelte sich in meinem Oberstübchen einiges um, bahnte sich neu, verknüpfte sich und führte zu einer neuen Höchstleistung meiner neuronalen Fähigkeiten. Ich fühlte mich lebendiger und positiver.

Prozess und Begleitung

Entschlossen entwickelte ich schon während der Ausbildung zum Lösungsfokussierten Coach ein Konzept, um Inhalte und Prinzipien des Lösungsfokus auf das System Schule und ihre Bedürfnisse umzulegen. Und siehe da, die Arbeiterkammer Wien fand dieses Konzept bei einer Ausschreibung sehr spannend und sponserte dieses Projekt mit Innovationsbegleitung an meinem Schulstandort großzügig.

Experten wie Veronika Kotrba, Dr. Günter Lueger, Jonas Krämer, MA BEd Andreas Wurzrainer, Achtsamkeitstrainer Ernst Tauchner und Gabriele Grunt (Gewaltfreie Kommunikation) kamen an unsere Schule und begleiteten uns LehrerInnen und SchülerInnen 3 Jahre lang. Die Experten und Expertinnen ermöglichten anderen und mir das Aneignen neuer Perspektiven und Methoden im Unterricht, ein Ändern von Sichtweisen, das systemische Aufstellen neuer Teams oder Gruppen im Lehrkörper, das Erdenken neuer Lösungsstrategien und mehr. Die Führungskraft, die PädagogInnen und ich waren stetig im Prozess eingebunden und wir entschieden, was für uns und die Schüler und Schülerinnen am sinnvollsten ist. Das lief nicht immer so „gschmeidig“, denn Prozess bedeutet anschlussfähig bleiben und mit Fehlern umgehen zu lernen. Wir alle machen Fehler, die Frage ist „Was lernen wir daraus?“ und „Wie gehen wir damit um?“.

Wir wurden ausgezeichnet im Prozess begleitet, blieben motiviert und bleiben heute, nachdem wir unsere Erfolge gefeiert haben, dran.

So nutzten wir unsere Potenziale und fanden unsere eigenen Lösungen. Wir setzten uns selbst Ziele und verwirklichten diese selbstwirksam. Mit Transparenz und in kleinen Schritten, die manchmal Großes bewirkten, änderten wir Strukturen, verflüssigten Probleme und lernten smarte Zielvereinbarungen zu formulieren. Wir hatten vor allem auch Sparringpartner von außen, die mitunter andere Sichtweisen hatten, und das war sehr wertvoll. So war es ein gelungener Mix aus Beratung und Begleitung.

Hokuspokus Lösungsfokus

Seit 2015 begleite oder berate ich PädagogInnen und SchülerInnen im Rahmen von Schulprojekten. Am Ende unserer Zusammenarbeit feiern wir gemeinsam die Selbstwirksamkeit eines jeden Mitwirkenden und einer jeden Mitwirkenden, denn die war WIRKL(ICH).

In Bildungseinrichtungen bin ich ständig in Interaktion mit anderen und nichts bleibt gleich. Das ist eine Herausforderung. Meine Arbeit gibt mir Kraft, denn es erfüllt mich mit Freude, wenn sich die Magie des Lösungsfokus hier und da zeigt, im kurzen Moment oder als großes Wunder des Tages. Dann kommt jemand ein Stück weiter. Es eröffnet sich demjenigen oder derjenigen eine kleine oder große Welt, aufs Neue, immer wieder. Lösungssprache statt Problemsprache macht manches leichter, wenn auch nicht unbedingt einfacher.